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Zool. Anz., Leipzig 190 (1973) 3/4, S. 154-158
1. Zoologisches Institut der Universität Erlangen-Nürnberg (Vorstand: Prof. Dr. R. SIEWING)
Abteilung für Protozoologie und Ethologie (Leiter: Prof. Dr. D. MATTHES)

Epistylis stevcici n.sp., ein obligater Symphoriont von Atyaephyra desmaresti Millet

Von
Jörg SCHEUBEL und Walter GUHL

Mit 4 Abbildungen
(Eingegangen am 30. Mai 1972)

Im Rahmen einer Gewässeruntersuchung entdeckten wir einen neuen Fundort der Süßwassergarnele Atyaephyra desmaresti Millet in Jugoslawien (Istrien, kleiner Bach zwischen Kostanjica und Livade, der in die Mirna mündet). Die Garnelen waren regelmäßig mit einer Epistylis besetzt. Dieses Peritrich erwies sich als für die Wissenschaft neu. Wir benennen diese Art zu Ehren von Herrn Dr. ZDRAVKO STEVCIC aus Rovinj.


Abb. 1a. Epistytis stevcici n. sp., Individuum von Antennen und Mundwerkzeugen.


Abb. 1 c. Tier in Kontraktion

Abb. 1b. Epistytis stevcici n. sp. Das Foto zeigt eine Zweierkolonie

Epistylis stevcici n. sp. besiedelt Antennen, Mundwerkzeuge, Thorakopoden, Pleopoden und Telson der Garnele. Körperform und Ausbildung der Stiele sind variabel, da sie von der Lokalisation der Tiere auf ihrem Träger deutlich abhängig sind. Die auf Antennen und Mundwerkzeugen sitzenden Tiere sind stets kurz gestielt, meist solitär. Der kurze, relativ dünne Stiel, der an der Basis oft scheibenförmig verbreitert ist, weist oft undeutliche Ringfurchen auf (Abb. 1 a. b u. 4 b). Der Körper der Tiere ist hier zuweilen fast zvlindrisch.

Der Stiel der auf Thorakopoden und Pleopoden lokalisierten Tiere ist deutlich länger, er erreicht oft mehr als Körperlänge. Eigenartigerweise konnten wir bei mehreren Individuen eine flach kegelförmige Einsenkung des Tieres in den Stiel beobachten, die sich leicht fadenförmig verlängern kann (Abb. 2 u. 4 a).


Abb. 2, Epistplis stevcici von Thorakopoden und Pleopoden

Eine Verkürzung der Stiele bei der Kontraktion wurde nicht beobachtet, so daß die Zugehörigkeit. zur Gattung Epistylis als sicher gilt. Der Körper der die Extremitäten besiedelnden Tiere wird zum Peristom hin gleichmäßig breiter. Die auf den letzten Pleopoden und auf dem Telson sitzenden Individuen weisen eine völlig andere Form von Körper und Stiel auf (Abb. 3 u. 4 c). Der Körper ist hier faßförmig, die Stiele sind stark verkürzt und erreichen nur selten mehr als 1/3 der Körperlänge. Die Ringfurchen der Stiele sind besonders ausgeprägt.

Auch bei kontrahierten Tieren zeigt sich ein Unterschied in der Körperform je nach Lokalisation. Während sich die auf Antennen, Mundwerkzeugen und Extremitäten sitzenden Tiere bei der Kontraktion ovoid abrunden (Abb. 1 c) und ihr Peristombereich zu einem kurzen, engen Zylinder wird, weisen die kontrahierten Tiere des Telsons einen verlängerten, faßförmigen Körper auf, dessen Peristombereich kuppelartig abgesetzt erscheint. Der Peristomrand wird dabei fast wulstig (Abb. 3 b).


Abb. 3 a. Epistylis stevcici, 'I'ier vom Telson


Abb. 3 b. Epistylis stevcici, kontrahiertes Individuum

Peristomhereich und Buccalhöhle sind jedoch in ihrer Aushildung konstant. Der Peristomrand ist schmal und niedrig, der obere Rand ist mehr oder weniger deutlich gesägt. Der Diskus erreicht etwa halbe Körperbreite. Die Peristombewimperung beschreibt 11/4 Umgänge und mündet dann in die Buccalhöhle ein. Diese ist schmal und erreicht nicht halbe Körperlänge. Im Anschluß an dic Buccalhöhle erscheint der Cytopharynx, der an der Grenze des unteren Körperdrittels endet. Seitlich der Buccalhöhle liegt die kontraktile Vakuole.

Der Makronucleus hat bei allen Tieren die Form eines hufeisenförmig gebogenen schmalen Bandes, das sich meist um die Grenze von Buccalhöhle und Cytopharynx legt.

Die Pellicula ist bei allen Tieren deutlich quergestreift. Als weiteres gemeinsames Merkrnal weist sie unterhalb des Peristomrandes einen deutlichen Ringwulst auf, der zumeist auch bei den kontrahierten Tieren erhalten bleibt. Ein weiterer Ringwulst erscheint kurz oberhalb der Scopula bei der Pectinellenbildungszone. An dieser Stelle werden bei der Schwärmerbildung die Pectinellen ausgebildet. Oberhalb der Scopula ist das Plasma immer deutlich und dicht granuliert. Die Körperlänge unserer Tiere schwankt zwischen 46 und 53 um, die Dicke zwischen 24 und 31 um. Der Durchmesser der Stiele liegt je nach Lokalisation zwischen 10 und 22 um.

In der Telsonregion tragen die von Epistylis stevcici n. sp. gebildeten Kolonien meist nur zwei Tiere. Wenn es an Antennen und Mundwerkzeugen zu Koloniebildung kommt, kann eine Individuenzahl von 6, auf den Thorakopoden sogar von 8 erreicht werden.


Abb. 4 a, b, c. Epislplis stevcici, Stielausbildung

Im Mai dieses Jahres beschrieb SCHNEIDER (1972) einen neuen Fundplatz von Atyaephyra desmaresti in Deutschland. Es gelang uns, von diesem Fundort, der uns von Herrn Prof. Dr. H. SCHNEIDER freundlicherweise eingehend geschildert wurde, ebenfalls Garnelen zu untersuchen. Auch diese Tiere, die aus einem Baggersee stammten. trugen Epistylis stevcici am ganzen Körper. Durch diesen zweiten Fund bestätigt sich unsere Annahme, daß Epistylis stevcici n. sp. ein obligater Symphoriont der Garnele ist.

Schrifttum

SCHNEIDER, H.: Ein Fremdling in unseren Gewässern. Mikrokosmos 61, 5 (1972) 132-134.